Warum denken einige Menschen, "natürliche" aber nicht evidenzbasierte Mittel wären eine bessere Wahl, als Medikamente? Mit Verlaub: Natur ist auch nur Chemie. Ohne die moderne Medizin wäre unsere Lebenserwartung viel geringer. Eine "natürliche" Geburt hat vor 100 Jahren...

...für viele Frauen den sicheren Tod bedeutet. Dass Kinder vor ihrem 18 Lebensjahr an Infektionskrankheiten sterben war nicht außergewöhnlich. Bis in die 50er Jahre starben jedes Jahr Millionen Menschen an Pocken. Die Krankheit gilt heute dank Impfungen weltweit als ausgerottet.

"Natürlich" wird oft automatisch mit "ungefährlich" gleichgesetzt. Doch das ist ein Trugschluss. Im Esoterik-Umfeld werden auch hochgiftige Mittel als angeblich "sanfte Alternative" zur Chemo beworben. Immer wieder kommt es zu Todesfällen weil Menschen an Wundermittel glauben.

Für das Umfeld ist es unglaublich brutal mitansehen zu müssen, wenn ein geliebter Mensch sich einer medizinischen Behandlung verweigert und infolgedessen das Risiko besteht, dass er an einer eigentlich problemlos behandelbaren Krankheit stirbt.

@kattascha ich will so eine Einstellung nicht verteidigen, sondern nur Einblick in mögliche Beweggründe geben: deutsche Gesundheitssytem ist kostenoptimiert und teilweise gewinnorientiert. Patientinnen wird hier oft nicht gut zugehört, nicht gut um sie gekümmert und die Ursache zu finden. Es wird aus einem Standardkatalog gewählt und behandelt. 1/2

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@kattascha Heilpraktikerinnen und Esotherikerinnen nutzen das aus und suggerieren mehr Empathie und nehmen sich mehr Zeit (die werden ja oft privat und nach Stunden bezahlt). Gepaart mit Geschwurbel von Natur usw. (Natur kann nicht schlecht sein, stimmts?) hat man das Gefühl sich etwas gutes zu tun. Dann haben die oft auch noch schicke Praxen, kürzere Wartezeiten etc....

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